Wenn das Abendprogramm mitfährt: Unterhaltung auf einer Kreuzfahrt

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Kurz vor neun füllt sich das Bordtheater. Vorne sortiert ein Ehepaar die Programmzettel, das Licht geht langsam herunter, die Band setzt ein. Draußen nichts als Dunkelheit und Wasser. Diese Kombination aus Kulturprogramm und offenem Meer gehört zu den Dingen, die eine Kreuzfahrt von anderen Urlaubsformen unterscheiden.

Bühne, Band, Tanzfläche

Die großen Shows laufen meist zweimal am Abend, weil im Restaurant in zwei Schichten gegessen wird. Akrobatik, Musicalnummern, gelegentlich ein Streichquartett, das sich in die Lounge verirrt hat. Das Niveau überrascht viele Gäste, gerade jene, die zuletzt vor Jahren im Theater saßen.

Danach verteilt sich das Publikum. In einer Bar spielt jemand Klavier und nimmt Wünsche an, ein Deck höher läuft Karaoke, das erfahrungsgemäß gegen Mitternacht am unterhaltsamsten wird. Auf dem Achterdeck wird getanzt, barfuß, weil die Schuhe nach dem dritten Lied sowieso im Weg sind.

Wer es ruhiger mag, findet fast immer eine Ecke, in der ein Gitarrist leise vor sich hin spielt und die Gläser gedämpft klirren. Große Inszenierung auf dem einen Deck, Wohnzimmerstimmung auf dem anderen. Auf so wenig Fläche kommt das sonst kaum irgendwo zusammen.

Tagsüber ist mehr los als erwartet

Seetage haben ihr eigenes Programmheft. Kochvorführungen, bei denen mitgeschnippelt werden darf. Tanzkurse, in denen die Fortschritte überschaubar bleiben und die Stimmung trotzdem steigt. Quizrunden über Musik der Achtzigerjahre, die an manchen Tischen mit erstaunlichem Ernst betrieben werden. Dazu Sportturniere auf dem obersten Deck, Filmabende unter freiem Himmel, Vorträge über die nächste Insel.

Nicht jeder braucht das alles. Ein Teil der Gäste findet den besten Programmpunkt in einem Liegestuhl mit Blick nach hinten, wo das Kielwasser eine helle Linie ins Meer zieht. Auch das ist Unterhaltung, nur leiser.

Landgänge als Teil der Show

Sobald das Schiff festmacht, verlagert sich das Programm an Land. Und dort wird es abwechslungsreich: Straßenmusik in einer Altstadt aus Kolonialzeiten, ein Markt, auf dem die Gewürze offen in Säcken stehen, eine Bootstour zu einer Bucht, die vom Land aus kaum erreichbar ist. Manche Ausflüge sind sportlich, etwa Schnorcheln über einem Riff oder die Wanderung zu einem Wasserfall. Andere bestehen im Wesentlichen darin, in einem Strandlokal frischen Fisch zu essen und der Sonne beim Untergehen zuzusehen.

Am Abend treffen sich die Erlebnisse wieder an Bord. Am Nebentisch wird von einem Papageienschwarm erzählt, zwei Plätze weiter von einem verpassten Bus. Solche Geschichten machen den Reiz eines Reisetages aus, der für alle gleich begonnen hat und völlig unterschiedlich endete.

Ein Urlaub mit doppeltem Boden

Der praktische Vorteil bleibt: Das Programm kommt mit, die Kabine ebenso, die Strecken werden nachts gefahren. Morgens liegt eine neue Kulisse vor dem Fenster, ohne dass jemand einen Koffer angefasst hätte.

Und wer nach zehn Tagen Kreuzfahrt zurückrechnet, kommt auf eine erstaunliche Bilanz: mehrere Inseln, ein paar Bühnenabende, ein neu gelernter Tanzschritt und mindestens ein Sonnenuntergang, der jede Show geschlagen hat.